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Van Richtens Ratgeber zu Ravenloft

Regeln: 5e Sprache: de

Buch-ID: van-richtens-ratgeber-zu-ravenloft · 258 Seiten

Seite 92 Abschnitte: 2

einem „Adligen" beim Maskenball der Herzogin ein Knopf vom alten Frack, spricht die Herzogin das Urteil über den Hochstapler, und der Enttarnte zerfällt zu Staub. Und schafft es ein Händler nicht, die Fassade aufrechtzuerhalten, ist die Strafe weniger öffentlich, aber ebenso tödlich. Ohne Heim und Auskommen fallen diese Unglücklichen unausweichlich dem Roten Tod zum Opfer. Dieser mysteriöse Geist haust in den ärmsten Stadtteilen und zehrt jedes Bisschen Leben aus seinen Opfern.

Es handelt sich dabei um Herzogin Saidra. K API TE L 3 ! DOM A 11/ t-:i'i VO N RAVENLO FT CHARAKTERE AUS DEMENTLIEU Charaktere aus Dementlieu können sehr unterschiedliche Ursprünge und Erscheinungsformen besitzen. In dieser Märchendomäne sind adrette Orks ebenso zu Hause wie heruntergekommene Drow. Die Namenskonventionen sind insgesamt von der französischen Sprache inspiriert.

Wenn die Spieler Charaktere aus Dementlieu erstellen, frage sie Folgendes: Hast du schon einmal den Großen Maskenball besucht? Stammst du aus einer Adelsfamilie, die mit Einladungen zum Ball beehrt wird, oder hast du dich eingeschlichen und konntest deine Enttarnung vermeiden? Warst du dabei, wie jemand demaskiert wurde? Wie viel Hochstapler steckt in dir? Jeder in Dementlieu gibt vor, etwas zu sein, was er nicht ist. Deine Familie übertreibt ihren Reichtum und ihren Status.

Ist auch der Rest deines Lebens eine Lüge? Wie viel davon fühlt sich wie eine Lüge an? Argwöhnst du, dass du für deine Klasse oder deinen Hinter- grund nicht qualifiziert bist? Gibst du vor, besser zu sein, als deine tatsächlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten erlauben? Behauptest du Fähigkeiten zu besitzen, die du in Wirklichkeit gar nicht beherrscht? Schuldest du einer nFeenpatln" etwas?

Die Feenwesen aus Krummgiebel am nördlichen Stadtrand helfen den Leuten manchmal dabei, ihre Täuschungen zu vervollkommnen. Vielleicht haben sie dir auch geholfen. Hast du sie aufgesucht, oder ist eins von ihnen zu dir gekommen? Was hat es dir angeboten? Welchen scheinbar vernünftigen Preis hat es gefordert? Inwiefern ist der Preis schwierig aufzubringen? Bist du deswegen zum Hexblut (siehe Kapitel 1) geworden?

BESONDERE MERKMALE ---------- Wer Dementlieu kennt, weiß folgende Tatsachen: Der gesellschaftliche Terminkalender der dekadenten Adligen ist randvoll. Täglich flattern sie wie Schmetter- linge von Ereignis zu Ereignis: Ausstellungen in Museen und Kunstgalerien, Konzerte und Theaterstücke, Bankette, Matineen und Soireen - und vor allem Bälle. Jede Woche ereignet sich das wichtigste gesellschaftliche Ereignis der Stadt: der Große Maskenball von Herzogin Saidra d'Honaire.

Einladungen sind begehrt und rar. Nichts in Dementlieu ist, wie es erscheint.Jeder gibt sich als wohlhabender aus, als er ist. Magische Illusionen verbergen Verfall, und die tägliche Kommunikation ist mit großen und kleinen Lügen gespickt. Jeder kennt diese Wahrheiten, aber niemand wagt es, sie auszusprechen. Die alltägliche Verwaltung von Port-a-Lucine obliegt dem Gouverneur Marcel Guignol. Dieser verfügt über eine Gruppe aus fünf Beratern aus den Adelsrängen Dementlieus.

Herzogin Saidra gehört auch dazu. Mit diesem Rat erlässt er Gesetze, die eine kleine Stadtwache durchsetzen soll. Außerdem fungiert der Gouverneur als Richter, wenn die Gesetze gebrochen werden. Dekorative Masken sind in Dementlieu weit verbreitet und werden nicht nur bei gesellschaftlichen Ereignissen, sondern auch im Alltag getragen. Viele Leute kennen die Masken ihrer Nachbarn besser deren Gesichter.

0 " z < S IEDLUNGEN UND SCHAUPLÄTZE Port-a-Lucine strahlt wie eine wohlhabende Stadt voller Kultur. Sie hat eine Universität, ein Opernhaus, ein Wachsfigurenkabinett, ein Aquarium, üppige Gärten und ein skandal- trächtiges Kabarett: das Theater zur Roten Witwe Das Zuwitsch-Hospital bietet höchste Standards wissenschaftsbasierter Medizin, und die große Bibliothek verfügt über eine große Sammlung angeblich bedeutsamer, aber tatsächlich ziemlich redundanter Schriften.

D'HONAIRE-A NWESEN Herzogin Saidra d'Honaires protziges Anwesen voller schicker Gargyle und greller Wandbehänge ist die Kulisse des Großen Maskenballs - mehr Details dazu weiter hinten in diesem Abschnitt. Ständig ist eine kleine Armee energischer maskierter Ghule mit den Vorbereitungen für die nächsten Festlichkeiten beschäftigt. KATHEDRALE DER MUTTER DER TRÄNEN Die Kathedrale der Mutter der Tränen ist der ehrlichste Ort in Dementlieu.

Sie ist der Göttin Ezra geweiht, und die Lehren drehen sich eher um das Weinen über die Schrecken der Welt als darum, etwas gegen sie zu unternehmen. Der Klerus weigert sich, irgendwelche Klasse- nunterschiede bei den Gläubigen zu bemerken, obwohl die Schichtenbildung außerhalb der Kathedralenmauern nicht stärker ausgeprägt sein könnte. Für sie sind die Leute alle nur verzweifelte Elendsgestalten in den gnädigen Händen Ezras, die mit ihnen und um sie trauert.

Eine herrliche Alabasterstatue von Ezra ziert das Heiligtum, Schwert und Schild beiseitegestellt, um das weinende Gesicht mit den Händen zu bedecken. THEATER ZUR ROTEN WITWE Die Rote Witwe ist ein Kabarett, das für lebhafte Musik, aufreizende Tanzdarbietungen und zwielichtige Geschäfte bekannt ist. Das vordere Dach wird von der gigantischen Statue einer grellroten Spinne geziert, die eine schwarze Sanduhr auf dem Leib trägt und die Kundschaft in ihr dekadentes Netz einlädt.

In diesem Schrein der dekadenten Freuden feiern die Gäste die S chönheit und das Leben, um der Armut und den Schrecken zu trotzen, die draußen auf sie warten. Doch das Theater

sind die Leute alle nur verzweifelte Elendsgestalten in den gnädigen Händen Ezras, die mit ihnen und um sie trauert. Eine herrliche Alabasterstatue von Ezra ziert das Heiligtum, Schwert und Schild beiseitegestellt, um das weinende Gesicht mit den Händen zu bedecken. THEATER ZUR ROTEN WITWE Die Rote Witwe ist ein Kabarett, das für lebhafte Musik, aufreizende Tanzdarbietungen und zwielichtige Geschäfte bekannt ist.

Das vordere Dach wird von der gigantischen Statue einer grellroten Spinne geziert, die eine schwarze Sanduhr auf dem Leib trägt und die Kundschaft in ihr dekadentes Netz einlädt. In diesem Schrein der dekadenten Freuden feiern die Gäste die S chönheit und das Leben, um der Armut und den Schrecken zu trotzen, die draußen auf sie warten. Doch das Theater birgt auch seine Schrecken: Seine abgeschiedenen Bereiche werden von Gestaltwandlern genutzt, um Beute zu machen.

Längst kursieren Gerüchte über gestaltwandelnde Riesenspinnen, die sich am nichtsahnenden Publikum laben, doch das tut der Beliebtheit des Theaters keinen Abbruch. KMHE 3.4: DEMENTLIEU. "- P, 1 11 ~ 1 l>(l I A ' ' V KRUMMGIEBEL Am Tenebrarum-Wald am Ende von Mühlenstraße lebt ein Zirkel aus grünen Vetteln in drei windschiefen Hütten.

Sie genießen es, im Leben der Bürger Dementlieus herumzupfuschen, sich als freundliche alte Mütterchen zu tarnen und mit ihrer Magie verarmten Leuten zu helfen, Adlige zu mimen oder am Großen Maskenball teilzunehmen. Ihr Preis wirkt unwiderstehlich, bis die Kunden den Haken an der Sache bemerken.

CHATEAUFAUX Die Leute in Port-a-Lucine sprechen oft von einem großen Landstrich in Dementlieu namens Chateaufaux, wo Adlige ihre Sommersitze unterhalten und florierende Höfe und Dörfer ihre Waren zum Verkauf in die Stadt schicken. Doch niemand hat die Stadt je verlassen, es treffen keinerlei Güter von außerhalb ein, und Chateaufaux existiert nicht. Die Nebel kriechen immer dichter an die Mauern von Port-a-Lucine heran. Gelegentlich sieht man Bäume und Wiesen, aber sonst nichts.

SAIDRA n'HoNAIRE Saidra d'Honaire wuchs nach dem Tod ihrer geliebten Mutter alleine mit ihrem Vater auf einem winzigen Hof auf. Ihre Vater nannte sie „Herzogin" und behauptete, er wäre ein Herzog, den sein böser kleiner Bruder aus seiner rechtmäßigen Heimat verbannt hatte. Dem jungen Mädchen gefiel es, sich deswegen über andere Bauern- kinder zu erheben und trotz der Umstände eine höhere Geburt zu behaupten.

Saidra hatte keine Freunde, aber viele Spielkameraden, da sie andere Kinder dazu zwang, sie zu unterhalten. Als sie ein Teenager war, heiratete ihr Vater eine wohlhabende Kauffrau mit zwei Töchtern, die ein paar Jahre älter als Saidra waren. Obwohl ihr Vater die drei Mädchen bat, einander zu lieben wie Schwestern, verachteten seine neue Frau und ihre Töchter Saidra, amüsierten sich über ihre Adelsbehauptungen und behandelten sie als Dienerin.

Die Familie litt keine Not, aber Saidra musste weiterhin in Lumpen gekleidet von morgens bis abends als Hausmädchen für ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern arbeiten. Noch schlimmer wurde es, als Saidras Stiefmutter beiläufig den Tod eines Herzogs erwähnte, der in der Nähe regiert hatte. Saidra fragte, ob es sich bei dem Herzog um den bösen Bruder ihres Vaters handle und ob dies bedeute, dass dieser nun seinen Titel zurückbekomme.

Ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern lachten sie aus, und ihr Vater gestand ihr die Wahrheit. Er war nur ein Diener des Herzogs gewesen und geflohen, als er beim Stehlen von Tafelsilber erwischt wurde. Saidra weigerte sich, diese bittere Wahrheit zu akzeptieren. Sie floh aus dem Haus zum Grab ihrer Mutter und flehte deren Geist an, ihr zu helfen. Da erschien eine freundliche, großmütterliche Figur und gewährte Saidras Wunsch.

Sie gab ihr ein herrliches Kleid und wunderbares Geschmeide für den Maskenball, bei dem der neue Herzog gekrönt werden sollte. Saidra begab sich in einer angemessen vornehmen Kutsche zum Ball, entschlossen, den Herzog zu töten und seinen Titel zu beanspruchen. Sie war so schön und glamourös, dass der neue Herzog sie unwiderstehlich fand und stundenlang mit ihr tanzte.

Saidra sah plötzlich eine Alternative zum Mord an ihm: Sie konnte den armen Tropf auch heiraten und die Herzogin werden, für die sie sich immer gehalten hatte. Doch als es Mitternacht schlug, wurden die Gäste plötzlich furchtbar krank und begannen zu sterben. Die Seuche erfasste auch Saidra und den Herzog. Als sie einander sterbend in den Armen lagen, machte der Herzog ein schicksalhaftes Geständnis: Er war nicht der Sohn des verblichenen Herzogs, sondern der Sohn eines seiner Diener.

Der Herzog konnte keine Kinder zeugen und verlangte den Säugling des Dieners, den er dann aufzog. Später wurde dieser Diener dabei erwischt, dass er Tafelsilber stahl, und er floh mit seiner kleinen Tochter. Saidra war außer sich, dass dieser „Herzog" auch nicht echter war als ihr Vater - und dass er auch noch ihr Bruder war. Sie zog ihren Dolch und trieb ihn dem Hochstapler ins Herz. Dann stolperte sie aus dem Palast, doch noch auf der Treppe starb sie an der Seuche.

Saidra kam auf dem nebligen Gelände ihres neuen

Abschnitte auf dieser Seite

  • Abschnitt 1 Seiten 91–92
  • Abschnitt 2 Seiten 92–93